101 miles of sexual healing

einFrauenKörperHeilungsBlog

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Zeiten der Sehnsucht – Zeiten der Ernte

Heilung ist vergleichbar mit dem Säen und Ernten auf einem Feld. Es ist ein organischer, körperlicher, „irdischer“ Prozess, der schon viele Millionen Jahre lang funktioniert hat, bevor die ersten Menschen auftauchten. Heilung ist etwas, mit dem sich die Natur und unsere Körper bestens auskennen – sie ist eine alte, große Kraft, auf die wir uns unbedingt verlassen können. Wir legen den Samen in die Erde, indem wir uns nach Heilung sehnen, und ohne Zufall und ohne Zauberei wird das Leben dafür sorgen, dass wir eines Tages ernten können.

Die Erde, wenn wir sie Erde sein lassen, weiß von selbst, wie sie die Pflanzen wachsen lässt. Das müssen wir der Erde nicht beibringen. Und ebenso müssen wir unseren Körpern nicht erst beibringen, wie sie sich von Traumata erholen. Selbst schwere Schocks, selbst Vergewaltigungen, Verrat und Missbrauch können von unseren Körpern transformiert werden, so dass wir aus entsetzlichen Wunden stärker hervorgehen, als wir einst in sie hineingestolpert sind.

Wenn wir nicht…

Wenn wir nicht ständig aufs Feld rennen würden, nachsehen würden, ob die Saat auch aufgeht und sich beeilt mit dem Wachsen – wenn wir nicht an den Grashalmen ziehen würden, bis wir sie ausreißen. Damit die Erde ihre Arbeit tun kann – damit unsere Körper heilen können, müssen wir bei aller Unruhe doch fertigbringen, sie in Ruhe zu lassen. Und genau diese Ruhe, dieses tiefe, stille Vertrauen in unsere innewohnenden Kräfte wird im Trauma erschüttert.

Vertrauen wiederfinden

Der Haken an einer Ernte ist ja: Wir ernten sehr viel später, als wir säen. Übertragen bedeutet das, dass wir in unsere Heilung investieren wie die Verrückten – wir bezahlen Therapeutinnen und Sessions („Was ich in meine Heilung investiert habe – davon könnte ich mir ein Haus kaufen…“), wir lesen Trauma-Bücher und Heilungs-Bücher, wir verzweifeln und beten, wir suchen und hoffen, wir sehnen uns das Herz aus dem Leibe, fallen hin und hin und hin… und stehen wieder auf. Wir sind so tapfer und machen alles richtig, und doch: Es dauert und dauert.

Eine Frau, die auf einem Feld gesät hat, weiß, wann es soweit sein wird, dass sie ernten kann. Sie kennt die Zyklen und Gesetze der Natur, und nachts schläft sie gut. Sie ist weder ungeduldig noch verzweifelt, denn sie kann sich ja darauf verlassen, dass die Erde Früchte tragen wird.

Im Heilen ergeht es uns anders anders. Denn wir erleben keinen ruhigen Schlaf. Wir haben nun wirklich nicht das Gefühl, uns seelenruhig auf unsere Ernte verlassen zu können. Im Gegenteil: Seitdem wir uns so richtig reinstürzen in das Projekt, nehmen in unserem Bewusstsein eher die Zweifel zu als die Erfolge. „Wenn ich angeblich auf einem so guten Weg bin, warum ging es mir dann nie schlechter als jetzt?“ – „Rede ich mir nicht einfach nur was ein? Was ist das hier eigentlich für ein Trip? Und hört sowas wieder auf?“

Traumaheilung als Lebensschule

Bleiben wir im Bild von Saat und Ernte: Ein Trauma zu heilen ist keine Kleinigkeit. Wir züchten hier keine Kresse auf unserem Balkon, um nach drei Tagen unseren Salat zu verzieren. Ein Trauma zu heilen ist ein Mammut-Projekt. Wir sollten uns an der Geduld und Weisheit derjenigen orientieren, die also… Mammutbäume pflanzen.

Heilung ist eine Kunst. Es ist der paradoxe Tanz zwischen enormer Anstrengung und weicher Hingabe. Damit es so schnell geht wie nur möglich, müssen wir uns Zeit geben.

Die eigenen Fortschritte in Sachen Heilung genau dann zu bezweifeln, wenn sie schon unter der Erde keimen, gehört zu den großen menschlichen Klassikern. Leider. Der Zweifel am eigenen Weg ist in sich ein Trauma-Symptom! Will sagen: Du wirst deine Heilung genau solange bezweifeln, bis diese Wunde in dir sich geschlossen hat. Dem wirst du nicht entkommen, weil niemand dem entkommt. Ein Bauch tut weh, bis er damit aufhört, und ein Mensch zweifelt an seinem Weg, bis er angekommen ist. Das sind die schlechten Nachrichten. Und es sind die guten: Deine Heilung braucht nicht zwingend, dass du ihr vertraust. Sie braucht aber, dass du dranbleibst. Die Pflanzen wachsen auf dem Feld auch dann, wenn du nicht glaubst, dass die Erde das schafft. Sie wachsen aber nicht, wenn du aufhörst, sie zu gießen. Also bezweifele die Kräfte in deiner Erde, soviel du es eben tust, aber höre nicht auf, zu deiner Erde zu gehen und sie zu pflegen.

Bildnachweis: mit herzlichem Dank an Pixabay.com

©Ilan Stephani
www.kalis-kuss.de
www.101milesofsexualhealing.com

 

Autor: Ilan Stephani

Körperforscherin und Autorin

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